Der Preis der Wälder

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Wie viel Kohlendioxid können die Wälder der Erde aus der Atmosphäre ziehen und zu welchem Preis? Das haben Forscher nun anhand von Modellrechnungen untersucht. Demnach steigen die Kosten für Aufforstung und Co bei höheren CO2-Reduktionen exponentiell an. Einsparungen von 0,6 Gigatonnen CO2 pro Jahr würden gemäß der Modellierung bis 2055 jährlich zwei Milliarden Dollar kosten. Sollen Bäume dagegen die zehnfache Menge CO2 aus der Atmosphäre ziehen, würden 393 Milliarden Dollar fällig. Das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis hat der Studie zufolge die Erhaltung der tropischen Regenwälder.

Bei den Bemühungen, international vereinbarte Klimaziele einzuhalten, spielen Wälder eine wichtige Rolle. Die Bäume binden Jahr für Jahr große Mengen des Treibhausgases CO2 und mildern so den Klimawandel ab. Zahlreiche Projekte engagieren sich daher für die Aufforstung und Neuanpflanzung von Wäldern in verschiedenen Teilen der Welt und setzen sich für die Erhaltung tropischer Regenwälder ein. Während schon mehrere Studien die Effektivität der einzelnen Maßnahmen untersucht haben, lag bisher wenig Fokus auf den zu erwartenden Kosten. Damit hat sich nun ein Team um Kemen Austin von RTI International in North Carolina beschäftigt.

Anreize für nachhaltige Forstwirtschaft

Für ihre Berechnungen verwendeten die Forscher ein bestehendes Modell zur weltweiten Forstwirtschaft und modifizierten es so, dass sie damit Effekte und Kosten verschiedener Erhaltungs-, Aufforstungs- und Managementmaßnahmen bewerten konnten. „Der weltweite Forstwirtschaftssektor kann einen wirklich bedeutenden Beitrag dazu leisten, globale Klimaziele zu erreichen“, sagt Austins Kollege Justin Baker. „Das physikalische Potenzial ist da, aber wenn wir auf die wirtschaftlichen Kosten blicken, sind sie nicht linear. Das beutet, je mehr wir die Emissionen reduzieren wollen, desto teurer wird es.“ Für das Szenario bis 2055 könnten die Wälder zehn Prozent der benötigten Gesamtreduktion beitragen, sofern sie jährlich sechs Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre ziehen. Die Kosten dafür veranschlagen die Forscher mit 393 Milliarden Dollar pro Jahr.

Von diesem Geld sollen beispielsweise finanzielle Anreize für Landbesitzer und Staaten gesetzt werden, durch nachhaltige Waldwirtschaft möglichst viel zusätzliches CO2 in Baumbeständen zu binden. Pro Tonne CO2, die auf diese Weise aus der Atmosphäre gezogen wird, haben die Forscher in ihren Berechnungen einen Betrag von 5 bis 100 Dollar angesetzt und jeweils die Auswirkungen auf die CO2-Minderung analysiert. Im teuersten Szenario mit der höchsten CO2-Reduktion, in dem neben Erhaltungsmaßnahmen auch die Neuanpflanzung von Bäumen sowie ein nachhaltiges Waldmanagement eine große Rolle spielen, kommen die Forscher sogar auf Kosten von 281 Dollar pro Tonne CO2. Die CO2-Preise sollen nach Empfehlung der Forscher Jahr für Jahr steigen, müssen aber sorgfältig austariert sein: So sollen sie zunächst insbesondere den Erhalt tropischer Regenwälder fördern, denn diese leisten den weitaus größten Beitrag zur Bindung von CO2. Verhindert man ihren Schwund, sorgt allein das für 30 bis 54 Prozent der potenziellen CO2-Minderungen durch Wälder.

Internationale Wechselwirkungen

Die Neuanpflanzung großer Wald-Monokulturen dagegen sollte finanziell weniger attraktiv sein. Denn eine solche Intensivnutzung ist nicht nur mit Blick auf das Klima weniger sinnvoll, sondern gefährdet überdies natürliche Ökosysteme. In Szenarien mit hohen Kosten und hohen Einsparungen können dennoch auch solche Maßnahmen einen Beitrag leisten, sollten aber nach Ansicht der Wissenschaftler nicht vornan stehen.

In ihrem Modell berücksichtigen die Forscher auch, dass Schutzbemühungen in einem Teil der Welt Auswirkungen auf andere Regionen haben. Werden beispielsweise die tropischen Regenwälder in geringerem Maße abgeholzt, führt dies zu steigenden Holzpreisen und macht Baumfällungen in anderen Gebieten attraktiver. Somit reduziert sich der Gesamteffekt der Maßnahme. In der Modellrechnung führt dies zu höheren Kosten für die gewünschten Effekte. Ein Problem stellen solche länderübergreifenden Wechselwirkungen aus Sicht der Forscher jedoch nicht dar. Steigen nämlich auch die CO2-Preise, motiviert das wiederum dazu, Wälder besonders nachhaltig zu bewirtschaften, sodass Holzentnahmen und Neupflanzungen sich die Waage halten.

Nur ein Teil des Puzzles

„Um die gefährlichen Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, wird es notwendig sein, die Wälder der Welt zu schützen, wieder aufzubauen und nachhaltig zu managen“, sagt Austin. „Bisher gab es nur wenig Forschung zu den Kosten dafür, den Klimawandel durch Wälder abzumildern. Ein besseres Verständnis der Kosten wird uns dabei helfen, bestimmte Ressourcen zu priorisieren und effizientere Minderungsstrategien zu entwickeln.“

Angesichts der Tatsache, dass Bäume selbst im teuersten Szenario nur einen Beitrag von etwa zehn Prozent der erforderlichen Gesamtreduktion bei den Emissionen leisten, weisen die Forscher aber auch darauf hin, wie wichtig andere Maßnahmen sind, etwa erneuerbare Energien, die nicht für Treibhausgasemissionen sorgen. „So betrachtet sollte man etwa ein Drittel der Anstrengungen den Wäldern widmen, und zwei Drittel anderen Dingen – Kohle reduzieren, in Solarenergie investieren, auf Elektromobilität umstellen“, sagt Sohngen. „Das ist es, was zu tun ist, wenn man die Abmilderung insgesamt so preiswert wie möglich gestalten möchte.“

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